PTBS - häufig gehört, aber nicht so richtig verstanden

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elana

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Hallo liebe Foris

Ich höre diese Diagnose öfter, kenne theoretisch auch die Kriterien, doch kann ich diese Diagnose trotzdem nicht wirklich von ähnlichen traumatischen Berichten unterscheiden. Irgendwie wirkt diese Diagnose wie ein Eintopf von anderen Diagnosen, traumatisiert, ängstlich, depressiv, etc.

Hat sich jemand näher damit befasst oder hat sogar diese Diagnose und erklärt es genauer?
 

Pünktchen

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Ich habe die Diagnose "komplexe posttraumatische Belastungsstörung", bin derzeit auch in einer psychotraumatologischen Klinik 1x wöchentlich zur Gruppe und mache ambulante Traumatherapie.
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass ein Trauma etwas ist, dass bei JEDEM Menschen etwas anrichten würde, dass sich daraus eine PTBS entwickelt ist aber nicht zwingend erforderlich. Das kommt dann wieder auf das Umfeld und die eigene Persönlichkeit an.
die größten Merkmale einer PTBS sind neben Depressionen und Angstzuständen:

- Flashbacks/Intrusionen
- Bagatellisierung
- Hang dazu immer wieder zum "Opfer" zu werden oder andere zum Opfer zu machen.
- massive Schreckhaftigkeit (Beispiel, es klingelt an der Tür oder das Telefon klingelt, Bleistift fällt runter und man erschreckt sich jedes Mal aufs Neue, man gewöhnt sich nicht dran)
- ständige Alarmbereitschaft
- Kontrollzwang
- Schlafstörungen
 

Pebbles

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Huhu!
Also ich hab angeblich eine postraumatische Belastungsstörung und das ein oder andere Trauma, das erste mit gut 3 Jahren, aber so genau weiß das keiner.
Die Diagnosen stehen/standen auch so immer auf den Überweisungen.
Der letzte Gutachter meinte nun, ich hätte keine PTBS.
Trotz Flashbacks sowie vordergründiger Emotionslosigkeit der Situation gegenüber (z.B. wegen meines Stalkers, der mir eine Waffe an den Kopf hielt, seitdem kann ich nicht mehr allein raus, mal ganz kurz gefasst).

Ich könnte Dir jetzt beschreiben, wie es mir selber damit geht/ging, aber da jetzt letztendlich doch niemand weiß, ob ich traumatisiert bin, könnten es Fehlinformationen sein.
 

elana

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Hallo ihr Lieben

Danke für die Erklärungen. Mm, ja irgendwie verstehe ich den Unterschied zum Trauma, vor allem die klare Herleitung einer traumatisch wirkenden Ursache bzw. eines bestimmten Ereignisses als Auslöser, während Trauma eher biographisch über lange Zeit dauert als lange Entwicklung.
 

Marie

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Der letzte Gutachter meinte nun, ich hätte keine PTBS.
Trotz Flashbacks sowie vordergründiger Emotionslosigkeit der Situation gegenüber (z.B. wegen meines Stalkers, der mir eine Waffe an den Kopf hielt, seitdem kann ich nicht mehr allein raus, mal ganz kurz gefasst).

Hi Pebbles,

das finde ich krass, der Gutachter sagt du hast keine PTBS?

Eigentlich ist das eine klassische PTBS und ganz klar gehört zu so einer Beurteilung mehr als ein oberflächliches Gespräch des Gutachters.

Darf ich fragen für was dieses Gutachten erstellt wurde?
Es hört sich für mich an als wäre es im Sinne einer Geldeinsparung entstanden.
Ich will da natürlich niemanden etwas unterstellen, aber aus deiner Schilderung sehe ich keinen Grund weshalb man eine Traumatisierung gänzlich ausschließen könnte.
Oder hattest du schon vorher solche psychischen Einschränkungen?
L.G.
 

Marie

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vor allem die klare Herleitung einer traumatisch wirkenden Ursache bzw. eines bestimmten Ereignisses als Auslöser, während Trauma eher biographisch über lange Zeit dauert als lange Entwicklung.

Hallo Elena,

ich würde es so sagen.
Wenn jemand ein Trauma erlebt muss er dadurch nicht unbedingt Probleme bekommen und wenn es aufgearbeitet wird ist es dann auch erledigt.

Es gibt aber auch Traumata die über Jahrzehnte in einem schlummern, oder sich immer wiederholen und durch Verdrängung nicht ins Bewusstsein kommen. Irgendwann beginnt sich das unaufgearbeitete Trauma dann Gehör zu verschaffen, das kann durch Flashbacks, Depressionen, Ängste, Persönlichkeitsspaltung und vieles mehr geschehen.
Dann spricht man von einer PTBS, der Zeitraum zwischen Trauma und Symptomen spielt dabei eigentlich keine Rolle, ob es nun 50 oder 1 Jahr her ist, die Auswirkungen bleiben ähnlich, aber je kürzer zurückliegend desto besser behandelbar.
Viele durchleben ihr Trauma emotional immer wieder, als sei es gerade passiert und wissen nicht mal was es zu bedeuten hat da die Erinnerung fehlt und die Flashbacks zu ungenau sind um auf ein bestimmtes Ereignis schließen zu können.

Ich würde sagen, jedes Trauma das solche Probleme macht, egal wie lange oder kurz es her ist, ist eine PTBS. Wohingegen andere Menschen genau das Gleiche Erlebnis haben können, ohne dadurch jemals eine so extreme psychische Belastung zu erfahren.
 

sasa

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Ich hab dazu mal ne Frage an die, die sich damit auskennen..

Ich habe die Angst ja entwickelt weil ich in der Disco ohnmächtig wurde, kann man das als posttraumatische Belastungsstörung ansehen? *?*
Ist das eine Art Trauma?!
 

Marie

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Hallo Sasa,

man darf nicht den Fehler machen ein Trauma nach der empfunden Schwere des Ereignisses zu beurteilen. Eine Frau die unfreiwillig geküsst wird kann ein genauso schweres Trauma davon tragen, wie eine die vergewaltigt wurde und umgekehrt.
Ich würde sagen das es bei dir ein Ereignis gab und das auch ausreicht um ein Trauma davon zu tragen, wäre es nicht so hätte die Ohnmacht auch nichts ausgelöst. Alleine der Gedanke ausgeliefert zu sein und das auch erfahren zu haben ist traumatisch, es ist das was du damit verbindest.

Aber im Grunde ist es auch egal wie man es nennt oder einstuft, du leidest unter den Folgen, aber da du die Ursache kennst ist es sicher auch sehr gut behandelbar.

L.G.
 

sasa

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Dankeschön Marie :)
Eigentlich war das Erlebnis gar nicht soooo schlimm, aber anscheinend sieht mein inneres das anders, sonst hätte ich die Angst nicht entwickelt *böse*
 
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