Nach Jahren ist es wieder da "Dieses Gefühl"

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MrLocomo

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Hallo hier ins Forum,

wie beginnt man eine Geschichte die noch lange nicht abgeschlossen ist? Und von der man nicht weiß wo diese noch hingeht. Ich habe mir einige Tage an Zeit genommen und hier im Forum gelesen. Ich habe festgestellt, dass es einige "Leidensgenossen" gibt. Aber ich denke jeder ist doch auf seiner Art verschieden.

Wer bin ich? Ich bin ein junger 28 jähriger Mann der seit ca. 6 Jahren mit Angst, Burnout oder Depressionen zu tun hat. Was es denn nun genau ist, dass weiß niemand so recht. Zumindest ich weiß es nicht. Ich würde Euch gern nun meine Geschichte erzählen und würde mich freuen mit dem ein oder anderen in Kontakt zukommen um sich auszutauschen oder eventuell sogar sich gegenseitig zu unterstützen.

Meine "Leidensgeschichte" beginnt vor ca. 6 Jahren. Ganz genau weiß ich das leider gar nicht mehr. Ich beendete eine Ausbildung und starte in meine Selbstständigkeit. Meine damalige Partnerin und die Mutter meines heute 7 jährigen Sohnes, war mit diesem Schwanger. Ob dies ein Auslöser für all das was noch kommen sollte, weiß man nicht. Dies versuche ich nach eine 6 jährigen Leidensgeschichte nun in einer Therapie aufzuarbeiten.

Alles fing mit Magenschmerzen an. Ein komisches Gefühl im Bauch. Ich erinnere mich noch sehr gut an dieses Gefühl. Ich wollte mir ein Auto kaufen. Und als ich im Kaufgespräch mit dem Autohändler saß, passierte es. Schweißausbrüche, Magenschmerzen und total nervös. Was war los? Das kannte ich nicht von mir. Ich redete mir ein Magengeschwür ein, das aufgrund von Stress, schlaflosen Nächsten durch den kleinen durchaus möglich wäre. Ich kaufe das Auto und fuhr mit diesem nach Hause. Ich hätte eigentlich glücklich sein müssen. Doch das war ich aus irgendwelchen gründen nicht. Mir ging es schlecht. So schlecht, dass ich auf einem Parkplatz anhalten musste.

Die Zeit verging und die Symptomatik tauchte immer mal wieder auf. Ich beschloss einen Arzt auf zu suchen. Wie bei den meisten war eine organische Ursache nicht feststellbar. Komisch! Was sollte es denn sonst sein. Ich muss doch etwas haben!

Eines Tages fuhren mit dem neuen Auto und dem kleinen (unser Sohn) auf der Autobahn Richtung Leipzig. Wir wollten in den Zoo. Ich spürte es schon nach dem aufstehen. Irgendwas stimmt nicht! Aber was ist los? Nach gut 20 Minuten passierte es. Schweißausbrüche, Übelkeit und total schwindelig. Wir fuhren wieder nachhause.

Meine Mutter empfahl mir einen Arzt. Er war Neurologe. Warum auch immer!? Ich machte einen Termin bei diesem Arzt und wurde dort vorstellig. In einem Gespräch mit Ihm schilderte ich meine Symptomatik und einige Untersuchungsergebnisse, die bei anderen Arzt- Terminen herausgekommen waren. Durch weg o.B. (ohne Befund) An diesem Tag ging mir wieder richtig schlecht! Ich war tierisch nervös, mir war schlecht und auch sonst ging es mir mehr als bescheiden. Still auf dem Stuhl sitzen war nicht drin. Selbst im Sprechzimmer "rannte" ich auf und ab. Nach einem relativ langem Gespräch empfahl er mir einen Psychologen. Bei diesem rief er an und kündigte mich als "Notfall" an. Ich wurde gleich an diesem Tag bei dem Arzt vorstellig und schilderte auch dort meinen bisherigen Leidensweg. Es wurde Blut abgenommen und Paroxat 25mg und Opipramol 50mg verordnet. Das Opipramol sollte ich nur bei Bedarf und das Paroxat jeweils 1x Tgl. einnehmen.

Dies tat ich! Und damit bin begann ein 5 jährige Unterdrückung der Krankheit. Denn bei dem Psychologen handelte es sich um einen Arzt, der nur "Sprechstundentherapien" anbot. Also Bedarf konnte man sich einen Termin holen und der Rest lief über die Medikamente. Natürlich brauchte ich keine Therapie, denn die Medikamente schlugen schnell an und ich konnte hervorragend den Symptomatiken unterdrücken. Sicherlich traten ab und an diverse Symptome auf, diese wurde aber gekonnt ignoriert.

Was machten die Tabletten und die Krankheit mit mir?

Ich hatte mir von Anfang an keine Gedanke über Nebenwirkungen oder Verträglichkeiten gemacht. Mir war nur wichtig, dass die Tabletten helfen und ich endlich wieder normal leben könnte. Das taten diese auch, nur von einem normalen Leben kann ich heute nicht sprechen. Damals war es normal für mich. Aber nicht für mein Umfeld. Ich zog mich aus meinem Privatleben weitestgehend zurück und veränderte mich stark in meinem Wesen. Heute sagt man mit nach ich wäre ein "Arschloch" gewesen. Mir war alles egal, nichts war wichtig für mich. Und diese Einstellung zerstörte die Beziehung zu meiner Partnerin. Wir trennten uns und ich verpasste die wunderschönste Zeit in meinem Leben. Die Zeit in der ich nicht mitbekommen haben, wir mein kleiner Räuber aufwächst. Diese Gefühl bereue ich bis heute.

Was geschah dann?

Ich zog nach ein 5 jährigen Beziehung in meine eigene kleine Wohnung. Ich arbeitete jeden Tag, nahm meine Tabletten, rauchte massig Zigaretten und trank eine menge Alkohol. Von meinem Freundeskreis kapselte ich mich komplett ab und auch andere Sozialen Bindungen ging ich nur widerwillig ein. Mein Wesen hatte sich komplett verändert und auch an Gewicht habe ich ordentlich zugenommen. Weitere 4 Jahre vergingen.

Nun sollte es endlich soweit sein, ich wollte endlich weg von den Tabletten und mein Leben wieder in den Griff bekommen. Den erste Schritt dazu unternahm ich im August 2015. Ich setzte meine Tabletten ab. Dies geschah mit Hilfe des Neurologen, den ich auch schon am Anfang meiner "kurze" Geschichte erwähnte. Ich reduzierte die Tabletten von 1 Tab. Tgl. auf 1/2 Tab. usw. Ich fühlte mich gut ohne. Alles klappte und es gab keine Symptomatiken. Mein Leben fing wieder an in die richtigen Bahnen zu laufen. Soziale Bindungen vielen mir wieder leichter und auch eine Annäherung an meine damaligen Partnerin gab mir das Gefühl endlich wieder richtig vorwärts zu kommen.

Es kam der November 2016. In meiner gab es einen Sterbefall. Ob dieser nun das folgende ausgelöst hat, dass weiß man noch nicht. Wir ich anfangs erwähnte befinde ich mich momentan in einer Therapie.

Im Dezember 2016 passierte es zum ersten mal. Ich bekam Atemnot. Aus dem nichts. Ich schob es aufs rauchen. Und entschloss mich im Dezember mein Leben nun komplett zu ändern. Ich hörte auf mit rauchen und trank keinen Alkohol mehr. Nun kamen Symptome, die ich auf den Entzug geschoben habe. Atemnot, Druckgefühl in der Brust, Schweißausbrüche und Übelkeit. Ich bekam Angst blieb aber Standhaft und rauchte nicht. Nach einiger Zeit war mir Schwindelig und bekam starke Rückenschmerzen. Irgend etwas passierte in meinem Körper.

Doch dieses mal war es anders. Ich beschloss der Sache genau auf den Grund zu gehen. Ich wollte nie wieder zurück in diesen Trott von damals fallen. Denn eigentlich ging es mir gut, ohne Tabletten. Ich beschloss zum Arzt zu gehen. Mit Wartezimmer spürte ich es. Mein Herz raste! Ich hatte das Gefühl jeden Augenblick umzukippen. Ich war total Nass geschwitzt und hatte das Gefühl schlecht Luft zu bekommen. Es war eine Angstattacke! Doch dieses konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht deuten. Denn ich kannte dieses Gefühl nicht. Der Arzt untersuchte mich, es Blut abgenommen und ein EKG geschrieben. Aufgrund meiner Aussage, dass mir immer wieder mal Schwindelig ist, wurde eine Überweisung zum MRT ausgestellt.

Wie sollte es auch anders sein. MRT ohne Befund und auch EKG und Blutwerte sind o.B. Nun sitze ich hier mit meinem PulsOximeter und meinem Blutdruckmessgerät und messe ständig meine Vital werte. Die Atemnot ist nach wie vor vorhanden und tritt sporadisch auf. In der kommenden Woche werde ich einen Termin bei einem Pneumologen machen und auch das ständige Gefühl einen Kloß im Hals zu haben muss noch abgeklärt werden. Die Angstattacken habe ich im Griff. Denn ich weiß das es nur ein Gefühl ist, dass die Angst auslöst. Trotz alledem beschäftigen mich die einzelnen Symptomatiken sehr. Was ist wenn ich eine schlimme Krankheit habe? Was ist wenn ich bald sterben muss? Diese Fragen sind da und beschäftigen mich täglich. Aber warum? Mittlerweile habe ich eine Arzt-Marathon hinter mir. Neurologe, Hausarzt und Orthopäde. Tja und bald kommt noch ein Pneumologe und Kardiologe hinzu. Es ist zwar stark davon auszugehen, dass auch diese nichts feststellen werden, aber ich muss es einfach wissen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken! An denjenigen der meine Geschichte bis zum Schluss gelesen hat. Vielleicht findet sich ja unter Euch jemand, der die gleichen oder ähnlich Symptome hat. Ich würde mich über ein Interessen-Austausch freuen! Solltet Ihr Fragen haben, zu mir und meiner Person oder zu meiner Geschichte, so beantworte ich diese gern.

LG und Euch allen einen angstfreien Sonntag Abend!
 

Harriet

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Erstmal Herzlich Willkommen *hallo*

Deine Geschichte kann ich sehr gut nachempfinden, wobei ich mit Antidepressiva eher gute Erfahrungen gemacht habe.

Eine Therapie zu machen ist bestimmt die richtige Entscheidung.

Hast du denn noch Kontakt zu deinem Sohn?
 

MrLocomo

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Hallo Harriet,

ja Kontakt habe ich regelmäßig, aufgrund der Tatsache das ich zur Kindsmutter wieder ein tolles Verhältnis habe. Wir arbeiten dran! Ich hoffe natürlich, dass wir irgendwann wieder eine Familie sein können.

LG
 
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