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Thema: Schmerzen, Angst, Depression - Ich weiß nicht mehr weiter.

  1. #1
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    Standard Schmerzen, Angst, Depression - Ich weiß nicht mehr weiter.


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    Hallo @all,

    ich habe seit 23 Jahren Rückenschmerzen ohne Befund. Diagnose ist anhaltende somatoforme Schmerzstörung (psychische bzw. psychogene Schmerzen). Über die Zeit sind Depressionen und Ängste hinzugekommen.

    Zusätzlich bin ich noch suchtkrank. Rauchen schon immer. Spielsucht von 2006 - 2016.
    Die letzten 15 Jahre bin ich einigermaßen zurechtgekommen mit Paroxetin und Amisulprid.
    Im Oktober 2016 extreme Verschlechterung, d.h. Medikamente wirken nicht mehr, Ausweitung der Schmerzen über den Kopf auf den vorderen Bereich des Körpers. Mir tut alles weh... Kopf, Gesicht, Hals, Brust, Bauch, Rücken.
    Die Ausweitung hat dazugeführt, dass ich kaum noch den Alltag schaffe, kann nicht schlafen, mich nicht konzentrieren, nehme die Umgebung nur noch Benommen wahr, mir ist ständig wie umfallen, bin zur Zeit arbeitsunfähig. Neue Medikamente, wie Cymbalta, Zyprexa, Venlafaxin, Lithium zeigen keine Wirkung.
    War in einer Tagesklinik und stationär, habe dort Tavor zur Überbrückung bekommen. Hilft zwar nicht gegen die Schmerzen, aber distanziert den Kopf ein bißchen von der Quälerei. Tavor nehme ich nicht mehr, weil keine Dauerlösung. Ich quäle mich nur noch, nehme zur Zeit Venlafaxin und Lithium, bin aber sehr unzufrieden.
    Die letzten 7 Wochen war ich in einer medizinischen Reha. Habe da alle therapeutischen Angebote wahrgenommen, wie Therapeutengespräche, Achtsamkeitsseminare und -gruppen, Ergo- bzw. Arbeitstherapie, Massagen, Schwimmen, Selbstsicherheitstraining, Bewegungstherapie etc.
    Leider sind meine Schmerzen unverändert und auf einem hohen Stärkelevel. Mit der Ausweitung der Schmerzen von Rücken auf den ganzen Vorderkörper komme ich sehr schlecht zurecht. Am schlimmsten sind die Gesichtsschmerzen, Hals zuziehen. Konzentration auf einfachste alltägliche Dinge sind ein großes Problem.
    Ich weiß nicht mehr weiter. Hat von Euch jemand auch psychische Schmerzen? Und wie hilft er/sie sich?
    Es heißt immer Selbstfürsorge und Selbsthilfe. Habe schon alles versucht seit Oktober 2016... Sport, Ablenkung, Radfahren unter Leute etc. Es wird nicht besser und die Verschlimmerung macht mir sehr zu schaffen.

    Please help.

    Kurz gefasst: Körperlich ist soweit alles ausgeschlossen, Röntgen, MRT etc. (wobei MRT ohne Kontrastmittel), Borreliose ist ausgeschlossen, Fibromyalgie ist ausgeschlossen, Lyrica habe ich versucht - ohne Wirkung.
    Die Rückenschmerzen begannen im März 1995 im Kraftraum, während der Übung am Lattzug. Ich bin erstmal von Muskelkater bzw. Überlastung ausgegangen. Sportärztlich wurde alles gecheckt ohne körperliche Schäden u. am Ende stand die Aussage... "Rückenschmerzen können auch psychisch sein". Paar Wochen später bin ich auf der Straße zusammengebrochen... Helle blitzartige Stiche zwischen den Schulterblättern, wo die Schmerzen waren. Ich habe meine Beine nicht mehr gespürt und bin auf die Knie gefallen, Luftnot und konnte kaum noch sprechen. Ich weiß bis heute nicht, was das war: Nervenzusammenbruch, Angstattacke, Panikattacke? Dann habe ich fast 3 Jahre vor Schmerzen im Bett verbracht und konnte kaum das notwendigste erledigen. Ich brauchte irgendein Medikament u. bin in die Klinik. Mit Paroxetin ging es mir dann besser. Das war 1998.
    Paroxetin hat mich im Kopf stabilisiert, aber die Rückenschmerzen waren immer noch da. So ging es mit Höhen u. Tiefen sowie mehreren Klinikaufenthalten bis 2016. Und jetzt diese Verschlimmerung. Die Schmerzen haben sich ausgeweitet auf Gesicht, Brust, Bauch, Hals... eigentlich der ganze Körper. Muskulär bin ich nicht verspannt. Entspannungsübungen schaden sogar teilweise. Ich kann kaum noch Ruhe finden, liegen und ausruhen. Ich will nur noch schlafen, um weg zu sein. Das ist aber auch keine Lösung. Und wenn ich mich nicht irgendwie ablenke, was ja nicht permanent geht, kriege ich im Liegen manchmal richtiges nesseln am ganzen Körper und muss ständig schlucken. Ich begreife das alles nicht mehr.
    Aus dem Job bin ich seit 1,5 Jahren raus u. trotzdem geht es mir schlechter, anstatt besser. Ich habe mich vollkommen zurückgezogen. Die Wohnung verlassen erfordert große Überwindung. Durch die Gesichtsschmerzen ist mir ständig drehend und schwindelnd. Und diese Verschlimmerung geht jetzt schon 1 Jahr.
    Venlafaxin und Lithium helfen auch nicht. Soll ich absetzen? Benzos sind gefährlich u. für den Dauerkonsum nicht geeignet, aber ich würde mich am liebsten irgendwie betäuben. Weiß nur nicht wie. Momentan kümmere ich mich um eine Psychotherapie. Aber hier sind lange Wartezeiten. Ich bin seit 1,5 Jahren krank geschrieben u. beziehe jetzt ALG I. Ich dachte, mir geht es ohne Arbeit besser, aber eher schlechter. Zusätzlich besuche ich eine psychosoziale Tagesstätte, um mich abzulenken. Die Ablenkung gelingt nur partiell. Ich leide massiv.

    In der Reha wurde ich mit folgenden Diagnosen entlassen:

    Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
    Rezidivierende schwere Depression
    Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung

    Für mich sind die Depression(en) u. die Angststörung bzw. Persönlichkeitsstörung Folge der quälenden Schmerzen in den vielen Jahren.
    Und ich weiß auch, dass sich hinter den Schmerzen viele negative Gefühle verbergen. Ich kann diese Gefühle nur nicht wahrnehmen und rauslassen, weil ich nicht weiß auf was sich diese Gefühle beziehen. Leider hat es sich in den letzten Jahrzehnten so entwickelt, dass ich Gefühle - egal ob positiv oder negativ - nur noch in Form von Verstärkung der Schmerzen wahrnehmen kann. Das ist furchtbar. Und aufgrund der Intensität der Schmerzen bin ich extrem stressempfindlich geworden, d.h. ich fühle mich momentan auch schon gestresst, wenn ich nichts mache. Das kann aber auch daran liegen, dass meine Angststörung mich momentan sehr belastet und ich deshalb extrem gestresst u. "unter Strom" bin.
    Irgendwie habe ich das Gefühl es hängt alles mit Frauen zusammen. Ich war schon immer sehr schüchtern u. hatte nie viele Freundinnen. Frauen gegenüber bin ich eigentlich mein Leben lang schon verunsichert u. teilweise verängstigt. Die letzten 10 Jahre hatte ich weder eine Freundin noch Affäre oder so. Ich habe mich immer mit Arbeit abgelenkt. Das liegt wohl auch daran, dass ich 1997 eine Partnerin kennengelernt habe, und aufgrund meiner damals seit 2 Jahren bestehenden Rückenschmerzen und Depression, teilweise von meiner Partnerin überfordert war bzw. sich die Rückenschmerzen u. Depression teilweise sogar verschlimmerte. Sie wollte mit mir zusammenziehen, ich konnte es allerdings nicht, weil ich merkte, dass mir dies gesundheitlich nicht gut tut. Wir trennten uns dann 2003. 2005 hatte ich dann nochmal eine kurze Affäre, aber da gings mir auch schlecht. Seitdem habe ich keine Frau oder Freundin kennengelernt.
    Und jetzt ist mir klar geworden, dass ich schon gern eine Partnerin hätte u. habe auch versucht offensiv zu sein. Als ich dann mehrere Male ausgegangen bin u. auch Frauen kennengelernt habe, kam der massive Rückfall mit der Verschlimmerung der Schmerzen bzw. dessen Ausweitung auf den ganzen Körper. Ich bin echt am Verzweifeln. Einerseits möchte ich Freunde, Bekannte und vielleicht eine Partnerin kennenlernen, weil ich mich durch die Verschlimmerung meines Gesundheitszustandes allein u. einsam fühle, andererseits ist meine Angsterkrankung bzw. die Schmerzen so schlimm, dass ich mich nicht mehr aus der Wohnung traue. Ich schaffe es nur noch an den Imbiss bei mir gegenüber um mittags eine warme Mahlzeit zu mir zu nehmen. Das für mich nicht begreifbare ist, dass wenn ich eine Frau sehe - draußen oder im Fernsehen - die mir gefällt, denke ich, die ist hübsch und gleichzeitig verschlimmern sich meine Schmerzen am ganzen Körper - ich bekomme dann nesseln, es sticht überall, ich werde kraftlos und will nur noch sterben, dass Herz rast und mir ist wie abklappen. Ich meine, dass ist doch nicht begreifbar. Ich kann doch nicht Frauen aus dem Weg gehen, nur weil ich mit so einer Todesangst reagiere. Ich weiß nicht, was ich machen soll.
    Habt Ihr eine Idee wie ich mit dieser Panik und Todesangst umgehen könnte?
    Normalerweise ist es für jeden etwas schönes, wenn er geliebt wird, Zuneigung erhält, gelobt wird, gesagt bekommt "Ich mag Dich" etc. - egal ob von Freunden, Bekannten oder Partnerin. Bei mir verschlimmern sich zum Teufel nochmal die Schmerzen. Das ist mitunter schlimmer, als wenn mich jemand runterzieht oder beleidigt. Kann das an der Depression oder Persönlichkeitsstörung liegen?

    Ich weiß jedenfalls nicht mehr weiter. Gehe nur noch zum Einkaufen und an den Imbiss raus.
    Man sehnt sich nach einer Partnerin, wird auch gemocht, aber die Schmerzen werden schlimmer u. es ist einem wie sterben, dass man flüchtet bzw. den Frauen aus dem Weg geht.
    Wie soll ich da jemals wieder eine Partnerin kennenlernen, wenn es mir so miserabel geht? Ich verstehe das alles nicht mehr.

    Fazit:
    Ich hoffe in Bälde einen Platz bei einer ambulanten Psychotherapie zu erhalten. Hoffe, dass mein Psychiater vielleicht noch eine Idee hat, um die Schmerzstärke zu dämpfen.
    Was für eine Therapie würdet Ihr empfehlen? Verhaltensorientiert oder tiefenpsychologisch?
    Mit welchen Medikamenten könnte ich die Schmerzintensität lindern? Würdet Ihr wieder auf Benzos zurückgreifen?

    Grüße,
    Gunter

  2. #2
    Administrator Benutzerbild von Lunie
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    Standard AW: Schmerzen, Angst, Depression - Ich weiß nicht mehr weiter.

    Hallo und herzlich willkommen bei uns, Gunter!

    Es stimmt schon, dass die Psyche auch Schmerzen machen kann. Hast du mal andere Antidepressiva probiert? Es kann sein, dass ein AD die Wirkung mit der Zeit verliert.
    Was mir auffällt - ist bei dir auch eine soziale Phobie diagnostiziert worden?
    Und wie ist es, wenn du mit Bekannten zusammen bist? Treten dann auch die Schmerzen verstärkt auf oder nur bei Frauen?

    Ich würde eine Verhaltenstherapie empfehlen, denn du musst lernen mit deinen Schmerzen und Ängsten umzugehen, sie teilweise auch annehmen und nicht dagegen kämpfen.

    Und ja, ich würde an Deiner Stelle Benzodiazepine nehmen - wenn dadurch deine Lebensqualität erheblich gebessert wird.

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Benutzerbild von sybill
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    Standard AW: Schmerzen, Angst, Depression - Ich weiß nicht mehr weiter.

    Warst du in einer Schmerzambulanz. Ich hatte kürzlich starke Schmerzen ununterbrochen im rechten Kiefer. Und das wurde mir als erstes geraten. Dort haben sie auch viele weitere Adressen für dieses Thema. Das wäre bei mir vorrangig vor der psychischen Problematik.
    Ich hatte auch keinen CT-Befund mit Kontrastmittel. Gott sei Dank, sind die Schmerzen wieder weggegangen, habe viel mit Entspannung und Selbstakupressur behandelt.

    Ich weiß nicht, wie du zu spiritueller Hilfe stehst, ich bin da aufgeschlossen und mir hilft z.B. Schamanismus sehr. Ist nur was ich gemacht habe, kannst du für dich auch streichen.
    Edelfuchs im Morgenrot
    Spinnt sein Netz im Abendrot (M.Oppenheim)

  4. #4
    Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Schmerzen, Angst, Depression - Ich weiß nicht mehr weiter.


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    Ich war eine Zeit lang in einer Schmerzselbsthilfegruppe von der Deutschen Schmerzliga.
    Du wirst ja sicher schon auch in Schmerzkliniken gewesen sein und von dort entsprechende Empfehlungen erhalten haben und bestimmt auch schon Leitlinien zum Umgang mit Schmerzen bekommen haben.
    Benzos sind nicht wirklich das Mittel der Wahl und ich würde dir bei deinem ausgeprägten Beschwerdebild auch eher ein tiefenpsychologische Therapie wie zB eine Analyse empfehlen.
    Alle Schmerzkliniken behandeln heute ja nach dem multimodalen Konzept, d.h alle Dinge werden mit einbezogen, Körper und Psyche etc.
    Falls du das noch nicht gemacht hast, melde dich mal bei einer Uniklik für die Schmerzklinik an, dort findest du am ehsten Hilfe.
    LG PA
    Seit ich den Tod kenne, lerne ich ohne Angst zu leben.

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