Nicht immer ist ist es auf den ersten Blick ersichtlich, was die Ursache für die Probleme nach Absetzen ist.
Handelt es sich um ein echtes Entzugssyndrom, so wie etwa bei Benzodiazepinen, Alkohol, oder harten Drogen?
Treten nur vorübergehend die alten Symptome der Depression auf, bis der Körper sich an die neue Situation ohne Medikamente gewöhnt hat? Oder war die Behandlung der Episode doch nicht lang genug?
Für den Patienten ist es wichtig, dass die Symptome richtig eingestuft werden. Denn das hat möglicherweise auch Konsequenzen für die Behandlung: Muss er das Antidepressivum doch noch länger einnehmen?
Oder nur für kurze Zeit weiternehmen und dann langsam die Dosis verringern? Sind ganz neue Medikamente nötig, um vorübergehende Beschwerden zu lindern? Oder reicht einfaches Abwarten?

Entsprechende Symptome können bereits nach einer relativ kurzen Anwendungszeit von etwa sechs bis acht Wochen auftreten. Damit können Entzugssymptome im Wesentlichen alle Patienten treffen, denn typischerweise wird empfohlen, Antidepressiva mindestens noch sechs Monate nach dem Ende der depressiven Episode einzunehmen.
Die unangenehmen Symptome machen sich üblicherweise innerhalb weniger Stunden bis Tage nach dem Absetzen bemerkbar.

Vom Rezidiv abzugrenzen sind Entzugssymptome, wie sie etwa bei Therapie mit selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) auftreten können. Das Spektrum reicht von grippeähnlichen Symptomen und Diarrhöen über Benommenheit, Kopfschmerz und Agitation bis hin zu Angst und Dysphorie – die Differenzialdiagnose kann entsprechend schwierig sein, vor allem bei Symptompersistenz.

Wichtig ist es, diese Absetzphänomene als solche zu erkennen und von der ursprünglichen depressiven Symptomatik abzugrenzen, die sich eher durch Kernsymptome wie Herabgestimmtheit, Interesse- und Antriebsverlust, Vitalstörungen und Rückzugstendenzen äußert.