Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva) werden sehr oft verschrieben und eingenommen. Beliebt sind vor allem Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), weil sie in vielen Fällen recht schnell helfen und deutlich weniger Nebenwirkungen haben als frühere Antidepressiva.
Nach langer Einnahme können beim Absetzen der Medikamente Probleme auftreten.

- Wie wirken Antidepressiva?
SSRI steht für Selektive Serotonin-​Wiederaufnahme-​Hemmer. Diese Medikamente blockieren den Serotonin-​Transporter. Dadurch kann eine Nervenzelle, die den Botenstoff Serotonin ausgeschüttet hat, diesen nicht wieder aufnehmen.
So wird die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt erhöht. Falls ein Serotonin-Mangel für eine Depression tatsächlich verantwortlich ist, kann die SSRI-Behandlung dem Serotonin-Mangel entgegenwirken.

- Wirksamkeit
SSRI sind die am häufigsten eingesetzten Antidepressiva. Die Wirkung der SSRI auf das depressive Syndrom ist abhängig von der Schwere der Erkrankung.
So ist bei leichtgradigen Depressionen häufig keine statistisch nachweisbare Überlegenheit gegenüber der Gabe von Scheinmedikamenten (Placebo) festzustellen.
Bei schwerer ausgeprägten Depressionen hingegen sprechen etwa 50–75 Prozent der Patienten auf ein SSRI an, während etwa 25–33 Prozent der Patienten auf Placebo ansprechen

- Was sind Absetzerscheinungen?
Wenn man nun das Medikament absetzt, dann wird der Serotonin-​Transporter nicht mehr blockiert. Nun kann das Serotonin wieder vermehrt in die ausschüttende Nervenzelle aufgenommen werden. Dadurch sinkt die Serotonin-​Konzentration wieder relativ plötzlich. Dabei verändern sich die Rezeptoren nicht sofort, weil diese Prozesse Tage bis Wochen erfordern.
Der Körper reagiert auf den Wegfall eines Antidepressivums mit einer Gegenregulation, die Betroffene noch anfälliger für die Entwicklung einer Depression machen. Deshalb ist es wichtig, das Medikament nicht abrupt abzusetzen, sondern es ganz langsam "auszuschleichen".

Ideal ist eine schrittweise Reduzierung, in Absprache mit dem behandelnden Arzt, um jeweils zehn Prozent über ein Jahr. So lassen sich schwere Krisen durch das Absetzen der Medikamente vermeiden. Betroffene sollten jedoch niemals Antidepressiva auf eigene Faust absetzen.
Entzugserscheinungen treten in der Regel in den ersten 24 Stunden bis eine Woche nach Absetzen ein. Der Zeitpunkt des Eintretens der Entzugserscheinungen hängt unter anderem von der Dosis der Medikation und der Halbwertszeit der Wirksubstanz ab.

Ein plötzliches Absetzen der Wirkstoffgruppe kann jedoch körperliche und psychische Entzugserscheinungen hervorrufen, wodurch ein Abhängigkeitspotential besteht.
So wird in den Packungsbeilagen explizit von selbstständigem Absetzen der Medikamente abgeraten.

- Mögliche Symptome beim Absetzen von Antidepressiva
Nach einer Einnahmedauer von mehr als sechs Monaten absetzt, muss in einigen Fällen mit diesen Symptomen rechnen:

  • Orthostatische Störungen (Kreislaufbeschwerden), Schwindel und Gleichgewichtsstörungen bei Kopfbewegungen wie Drehen des Kopfes oder horizontale Bewegungen der Augen (Blick nach links oder rechts)
  • Empfindungsstörungen wie Schwindel, Höhenangst und Empfindungen, die an leichte Stromschläge erinnern und meist ausgehend von der Mitte des Körpers in die Extremitäten ausstrahlen oder auch am ganzen Körper auftreten („Brain zaps“), Tinnitus
  • Motorische Störungen (Zucken, Tics) und Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen (aufstehen, gehen)
  • Schlafstörungen, lebhafte Träume, Müdigkeit, Tagschläfrigkeit (das Gefühl, plötzlich einzuschlafen)
  • Verdauungsstörungen (Durchfall, Verstopfung), körperliches Unwohlsein (Kopfweh, verstopfte Nase, Abgeschlagenheit, Knochen- und Gelenksschmerzen, fieberartige Zustände)
  • Stimmungsschwankungen, Muskelkrämpfe, Zittern, aggressives Verhalten, Manie, schwere Depression und Suizidgedanken
  • sexuelle Dysfunktion

- Umgang und Hilfe bei Absetzsyndrom
Die Behandlung der Symptome ist abhängig vom Schweregrad der Entzugserscheinungen und davon, ob nach Absetzen des SSRI weiterhin mit Antidepressiva behandelt wird.

Während in jenen Fällen, in denen eine weitere Behandlung mit Antidepressiva indiziert ist, das einfache Wiedereinsetzen der Medikation meist zum Erfolg führt, ist die Behandlung von Patienten, die ganz auf Antidepressiva verzichten, abhängig von der Schwere der Symptome und führt bei leichten Fällen meist durch Beruhigung und Entspannung des Patienten zu Erfolg.
Mittelschwere Entzugserscheinungen können mit Benzodiazepinen behandelt werden. In Fällen mit schweren Symptomen oder in Fällen, in denen der Patient nicht auf die Behandlung der Symptome anspricht, kann die Medikation wieder eingesetzt und zu einem späteren Zeitpunkt langsamer in kleineren Schritten wiederholt abgesetzt werden.