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Thema: Rente bei psychischer Störung

  1. #1
    Administrator Benutzerbild von Lunie
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    Standard Rente bei psychischer Störung


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    Psychische Störungen sind auffällige Veränderungen im Erleben und/oder Verhalten, die sich in der Regel in Störungen der Wahrnehmung, der Denkprozesse, des Handelns und der Gefühle niederschlagen.

    Außerdem können bei psychischen Störungen
    beeinträchtigende körperliche Beschwerden auftreten. Zusätzlich können körperliche Erkrankungen durch psychische Störungen verstärkt werden. Dabei ist die Grenze
    zwischen Gesundheit und Krankheit fließend, die Definition des „Normalen“ maßgeblich von Vorstellungen und Toleranz der jeweiligen Gesellschaft abhängig und die Gefahr
    der Stigmatisierung immer noch hoch.

    Die Bezeichnung „Störung“ wird in diesem Positionspapier verwendet, weil sie noch offen lässt, ob es sich um eine Krankheit im engeren Sinne oder eher um eine ausgeprägte psychische Belastung handelt. Die Entscheidung darüber, ob psychische Auffälligkeiten Krankheitswert besitzen und somit behandlungsbedürftig sind, hängt u. a. von der Krankheits-)Bewältigungsfähigkeit der Betroffenen und ihrer Belastung durch die Symptome ab.

    Spätestens wenn die Betroffenen in der Selbstversorgung oder in der Teilhabe am Arbeitsleben oder am Leben
    in der Gesellschaft beeinträchtigt sind, entsteht Behandlungs- und ggf. Rehabilitationsbedarf.

    Psychische Störungen werden als Krankheitsbilder nach der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10)
    im Kapitel F als „Psychische und Verhaltensstörungen“ klassifiziert (siehe Tab. 1)

    Für die Rentenversicherung bilden psychische Störungen eine wichtige Indikationsgruppe. Im Jahr 2012 wurden rund 157.000 Leistungen zur medizinischen Rehabilitation wegen psychischer Störungen bewilligt.

    Mit rund 14 % aller bewilligten medi
    zinischen Reha-Leistungen stellen sie die drittgrößte Indikationsgruppe dar. Bei den
    psychischen Einzeldiagnosen dominieren depressive Störungen.

    Im Jahr 2004 haben 1,6 von 1.000 Männern eine Rehabilitation wegen psychischer Störungen in Anspruch genommen. Bei den Frauen lag der Wert mit 3,5 von 1.000 Frauen höher. Verglichen damit ist im Jahr
    2012 sowohl bei Männern wie auch bei Frauen eine Zunahme zu verzeichnen: auf 2,7 von 1.000 Männern und 5,5 von 1.000 Frauen.

    Bei Anträgen auf eine Erwerbsminderungsrente wird zunächst geprüft, ob Aussicht besteht, durch eine psychosomatisch-psychotherapeutische Rehabilitation die Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben wieder herzustellen und so die Teilhabe am Arbeitsleben zu erhalten. Der Zugang zu einer psychosomatisch-psychotherapeutischen Rehabilitation kann aber auch aus einer Erwerbsminderungsrente heraus erfolgen,
    um z. B. eine Teilerwerbsfähigkeit zu erhalten. Außerdem kann die Krankenkasse die Arbeitsunfähigkeit eines Versicherten durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen prüfen lassen und diesen bei Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit nach § 51 SGB V zu einem Reha-Antrag auffordern. Analog gilt dies nach § 145 SGB III für die Agentur für Arbeit.



    Die Rentenantragstellung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit steht meistens am Ende eines komplexen und langdauernden Prozesses, so dass ein Rehabilitationsangebot zu diesem Zeitpunkt in der Regel zu spät kommt. Nur noch wenige Versicherte erfüllen dann noch die Voraussetzungen für eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation oder Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

    Erwerbsminderungsrenten bei psychischen Störungen
    Renten wegen Erwerbsminderung werden grundsätzlich zunächst befristet für längstens drei Jahre geleistet (§102 Abs. 2 SGB VI). Hinter der Befristung steht die Erwartung, dass in dieser Zeit durch geeignete Therapien oder Rekonvaleszenz die Rückkehr in das Arbeitsleben möglich wird.

    Im optimalen Fall entfällt der Grund für die
    Erwerbsminderung spätestens mit dem Ende der Befristung. Als Teilerfolg gilt aber auch, wenn anstelle einer vollen Erwerbsminderung nur noch eine teilweise Erwerbsminderung vorliegt.

    In der Praxis kann allerdings bislang nur ein geringer Anteil der Versicherten im Anschluss an eine befristete EM-Rente beruflich wieder eingegliedert werden. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: Menschen mit psychischen Erkrankungen gehen häufig schon lange vor Gewährung der EM-Rente keiner versicherungspflichtigen Beschäftigung mehr nach und weisen lange Zeiten der Arbeitsunfähigkeit auf. Sie sind also bereits zum Zeitpunkt der Rentenantragstellung beruflich so desintegriert, dass die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit nach Ende der Zeitrente deutlich erschwert ist. Der Beschäftigungsstatus zum Zeitpunkt der Antragstellung ist der stärkste prädiktive Faktor dafür, ob eine EM-Rente auf Dauer vermieden werden kann.

    Langzeit-Arbeitslosigkeit und Langzeit-Arbeitsunfähigkeit erschweren die
    Rückkehr in das Erwerbsleben massiv.
    Außerdem verschlechtert sich die gesundheitliche Situation nach Rentengewährung häufig weiter. Die Zeitrente wird dann von den Versicherten nicht mehr als Übergangs-lösung auf dem Weg zur verbesserten Erwerbsfähigkeit wahrgenommen, sondern als Zwischenschritt in die Dauerrente.
    Denkbar ist auch, dass zum Zeitpunkt einer Begut
    achtung im Rentenverfahren der zukünftige Verlauf nur schwer zu beurteilen ist, und die Schwere der Störung unterschätzt bzw. das Besserungspotenzial überschätzt wird.

    Die Deutsche Rentenversicherung wird präziser analysieren, von welchen Faktoren eine Reintegration in das Erwerbsleben nach EM-Rentengewährung abhängig ist. Bei einzelnen Rentenversicherungsträgern sind darüber hinaus bereits Pilotprojekte initiiert worden, um Menschen mit zeitlich befristeten EM-Renten erneut in das Erwerbs leben einzugliedern.

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  2. #2
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    Standard AW: Rente bei psychischer Störung

    Hallo Steffie,

    ich habe mit Interesse Deinen Beitrag hier verfolgt. Ich werde diesen auch noch ein zweites mal lesen.

    Ich bin auch jetzt seit 2012 auf Zeit verrentet. Jetzt zunächst bis 2016. Zuvor war ich 1,5 Jahre krankgeschrieben zur Aussteuerung. Mein Beschäftigungsverhältnis beim bisherigen großen Arbeitgeber ruht für die Rentenzeit.

    Kann es auch gut nachempfinden, dass zum einen mein WUnsch zur Reintegration beim Arbeitgeber besteht, zum Anderen merke ich auch, dass ich aufgrund der psychischen Umstände nicht so belastbar bin in HInsicht auf Aufmerksamkeit, Konzentration und Druck. Wie sagte mein damaliger Abteilungsleiter nach meiner ersten KRise "Uwe überlege dir ob du nicht in Rente gehen willst, hier herrscht Druck Druck Druck, Stress, Stress,Stress. Heute ist mir schon bewußt, dass der Mann nicht unbedingt wußte wie er mit einem Mitarbeiter umgehen soll, der gerade nach seiner ersten Krise wieder schnell zur Arbeit zurückgekehrt ist. Wie denkst du hierüber?

    Hinzu kommt, dass ich nach gut 6 Jahren zum Jahreswechsel wieder ins Krankenhaus gegangen bin. Ich hatte eine erneute Episode/Krise. 6 Jahre brauchte ich kein Krankenhaus. Wenn es mir gut geht, habe ich einen Optimismus, der mich hoffen läßt vllt nicht mehr ins Krankenhaus zu müssen. Noch mehr auf sich und sein Umfeld achten und in Bezug auf Stressmanagement zu wissen was mich stresst und wie ich ENtspannung finden kann. Und die freie Zeit, um eigentlich zu wissen, ich kann noch gut gebraucht und eingesetzt werden.

    Ich habe noch gut 1,5 Jahre, bis zum befristeten Rentenende.

    Es gibt bestimmt Möglichkeiten mich bei meinem Arbeitgeber wieder zu reintegrieren, wenn die beteiligten Personen an einem Strang ziehen. Auf Grund von körperlichen und seelischen Gründen bin ich zu 50 Prozent schwerbehindert.

    Soviel zu meinem ersten Beitrag hier. Ich hoffe auf weitere Anregung und einen freundlichen Austausch. Weiterhin viel Erfolg Steffie.

    Gruß Uwe

  3. #3
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    Standard AW: Rente bei psychischer Störung

    Meinen Beitrag http://www.leben-mit-angst.de/showthread.php?t=2277 hast du gelesen, nehm ich an?

    Also, ich habe eine ähnliche Geschichte - lage krank geschrieben, Klinikaufenthalte, Reha, stundenweise Wiedereingliederung klappte zunächst, aber nicht für lange. Aussteuerung.
    Seit ich berentet bin geht es mir besser, jedoch bin ich nicht besonders belastbar. Aber da ich nicht arbeiten muss, kann ich mir meinen Tag besser einteilen.

    Der Stress ist weg und der Druck arbeiten gehen zu "müssen", weil sonst kein Geld fließt. Ich kann mich ganz auf mich und mein Wohlergehen konzentrieren.

    Ich weiß nicht wie alt du bist - aber wenn du es finanziell verkraften kannst, dann solltest du das Privileg nicht (mehr) arbeiten zu müssen dazu nutzen und dich nur um deine Gesundheit und dein Wohlbefinden kümmern.
    Du hast die EM Rente auf Zeit nicht umsonst bekommen, es gibt einen guten Grund dafür. Jeder weiß, wie schwer es ist eine zu bekommen.

    Wenn du aber unbedingt arbeiten gehen möchtest - dann würde ich an deiner Stelle , VOR dem Ende der zeitlich begrenze EM Rente, erstmal stundenweise testen, ob du dem Druck überhaupt gewachsen bist.
    Hast du schon eine Arbeitsrehabilitation gemacht?

  4. #4
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    Standard AW: Rente bei psychischer Störung

    Ja ich hatte Deinen eigenen Weg zur Rente gelsesen. Bei mir wurd bislang 2 x 2 Jahre Rente zeitlich befristet bewilligt. Ich bin 46 Jahre. Irgendwie bin ich zwischen den Stühlen. Der Therapeut sagt wir kriegen sie wieder arbeitsfähig. Ich hätte so gern gewißheit. Im Büro gab es auch einige zwischenmenschliche Konflikte die mir zudem noch zusetzten. Das Ärzte und Psychologenteam in der Klinik vor kurzem sagte dass meine Sorgen und Ängste aus der Depression her begründet sind. Diagnose: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen. War jetzt gut 6 Jahre ohne Episode. Ich hab auch mit der Arbeit nicht abschließen können weil es immer hieß Rente auf Zeit. Ich hatte schon ins Auge gefaßt ggf wieder halbtags zu arbeiten. Halb Rente Halb Job. Es wäre zudem ein Neuanfang mit neuen Kollegen/innen. DIe Rente ist jetzt befristet bis 7/2016. Was ist eine Arbeitsrehabilitation? Stufenweise Wiedereingliederung kannte ich, hat aber nicht geklappt.

  5. #5
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    Standard AW: Rente bei psychischer Störung


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    Eine Arbeitsrehabilitation ist eine Reha in der die Belastbarkeit getestet wird.
    Ich hatte so eine Reha. Unter anderem musste man dort 2-3x in der Woche 3 Stunden "arbeiten"

    Arbeit hieß in meinem Fall - ein Projekt planen, das Material besorgen, das Produkt zusammen bauen und dann das Resultat besprechen. Es fand ich in kleinen Gruppen statt - zwischendurch wird mit dem Therapeuten die eigene Befindlichkeit besprochen. Auch die Ziele die man erreichen möchte, wo die Probleme bei der Arbeit liegen etc..


    Er ist es auch der am Ende seine Einschätzung bezüglich der Arbeitsfähigkeit abgibt.

    Hier ist es gut beschrieben:
    http://www.upkbs.ch/patienten/behand...n/default.aspx

    Dein Plan: halbe Rente - halbe Arbeitszeit finde ich gut.
    Vielleicht tut dir die Arbeit gut- für dein Selbstwertgefühl und du hast eine strukturierten Tag, was dir sicherlich auch zugute kommt.

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